Vor ein paar Monaten habe ich auf YouTube ein Video gesehen, in dem es um das Thema „Dopamin Detox“ ging. Davon inspiriert habe ich beschlossen, ein kleines Selbstexperiment zu starten: eine Woche komplett ohne Instagram und TikTok. Also ein kleines Social Media Detox. Kein Doom-scrolling, keine Reels, nichts. Ich wollte einfach sehen, was es mit mir macht. Wie schwer würde es mir fallen und welche Auswirkungen wird es haben?
Aber ehrlich gesagt war das Video nur der letzte Anstoß. Der eigentliche Grund war ein anderer.
Ich war schlichtweg müde. KI-Inhalte auf Instagram, im Fernsehen, auf diversen Flyern usw. nerven mich nur noch. Ich kann diesen Stil nicht mehr sehen und finde ihn ehrlich gesagt auch nicht schön. Auch KI-Musik, KI-Videos usw. interessieren mich überhaupt nicht. Trotzdem wird man regelrecht überhäuft mit dem Zeug. (Meinen Blogbeitrag zu KI in meinem Alltag findest du hier.)
Jeder postet einfach Irgendwas in der Hoffnung auf möglichst viele Likes zu bekommen. Es wird manipuliert, Unwahrheiten und Hass verbreitet.
Ich war müde, nur noch Werbung auf der Plattform zu sehen, mich durch 100 Beiträge oder Reels zu scrollen, bis vielleicht mal eins dabei ist, das wirklich guten Content enthält.
Dazu habe ich mal eine wunderbare Bezeichnung für soziale Medien gehört: „Content-Müllhalde“. Und meiner Meinung nach trifft es das doch ziemlich gut.
Was Social Media mit mir gemacht hat
Ich bin generell ein ruhiger, introvertierter (aber nicht schüchterner) Typ Mensch. Und ich habe auch einen Hang zum Perfektionismus und bin daher leider auch ziemlich anfällig für das Imposter-Syndrom 😄
Was passiert also, wenn so jemand wie ich auf Instagram lauter tollen, talentierten Designern folgt?
Ganz klar. Man fühlt sich schlecht. Nicht ausreichend.
Ich hatte ständig das Gefühl, dass alle anderen besser sind. Also habe ich versucht mitzuhalten: mit Trends, mich überwinden vor der Kamera zu sprechen, mich öfter zu zeigen – alles Dinge, die man machen sollte, wenn man eine Personal Brand aufbauen will. Aber ehrlich gesagt hat sich das nie wirklich nach mir angefühlt.
Es war eher so, als würde ich ständig einem Ideal hinterherlaufen, das einfach unerreichbar ist.
Die Folge war dann auch ziemlich klar: Prokrastination, Unsicherheit und Selbstzweifel. Und ständiges Hinterfragen der Dinge, die ich tue. „Ist das gut genug? Kann ich mich damit wirklich raustrauen? Kann ich das zeigen – oder ist es zu schlecht?“
Der Vergleich hört nicht beim Job auf
Nicht nur im beruflichen Kontext habe ich mich „zu schlecht“ gefühlt. Auf Social Media wirken alle anderen schöner, schlanker, besser gekleidet. Sind extrem erfolgreich und reisen um die Welt. Sie führen das perfekte Leben.
Und man fragt sich: Warum ist das bei mir nicht so?
Ein seltener guter Instagram-Post ist der Startschuss
Jeder kennts: Gleich zum Jahresanfang soll man bei diversen Sport-Challenges mitmachen, um „kraftvoll ins Jahr zu starten“ und überschüssige Weihnachtskilos loszuwerden. Leute posten, wie sie energiegeladen mitmachen und ihre Jahresvorsätze in der ersten Woche erreichen.
Doch ich sitze da und denke mir: Mir fehlt gerade die Kraft und die Motivation dazu. Mir wäre eigentlich eher nach Ruhe und Erholung.
Und zu genau der Zeit habe ich auf Instagram einen der wenigen Posts gesehen, bei denen ich mich wirklich verstanden gefühlt habe: Sinngemäß ging es darum, dass nichts in der Natur überlebt, wenn es im Winter so tut, als wäre Sommer.
Der Winter ist zur Erholung gedacht. Die Tage sind kürzer und kälter. Eigentlich sollte man sich in dieser Zeit eher zurückziehen und neue Kraft für den Sommer tanken.
Als ich das gelesen habe, habe ich spontan alle Vorsätze für Januar über Bord geworfen.
Stattdessen habe ich mich einfach treiben lassen und das getan, was ich wirklich machen wollte. Ich habe Bücher gelesen, gut gekocht und auch einfach mal auf der Couch vorm Fernseher gelümmelt.
Rückblickend würde ich sagen: Das war der erste Schritt zurück zu mir selbst.
Wie lief nun mein Experiment zum Social Media Detox?
Nun kam das Video zum Dopamin-Detox dazu, wodurch das Social Media Detox Experiment angestoßen wurde. Instagram und TikTok waren für eine Woche tabu.
Die einzige „Ausnahme“ war Pinterest. Denn das nutze ich nicht als soziales Netzwerk, sondern eher, um mir Inspiration für meinen Job als Web- und Grafikdesignerin zu holen.
Auch YouTube war für mich okay, weil ich es eher wie einen Streaming-Anbieter sehe.
Nach meinem eigentlichen Start hat es allerdings noch weitere 3 Tage gedauert, bis ich mich wirklich „befreit“ hatte. Denn anfangs ist mir aufgefallen, dass ich absolut unbewusst einfach auf das Instagram-Icon geklickt habe und nach 10sec scrollen ist mir erst aufgefallen, was ich da tue und dass ich ja „Instagram-Verbot“ hatte. Also hab ich die App vom Homescreen entfernt und stattdessen Pinterest an die Stelle gesetzt.
Doch ähnliches Spiel hier. Ich habe bspw. eine Whatsapp geschrieben und danach einfach auf das Icon an dieser Stelle getippt und mich dann erstmal ein paar Sekunden durch Pinterest gescrollt. What?! Ich war so schockiert über dieses unbewusste Verhalten, dass ich Pinterest wieder auf seinen ursprünglichen Platz verbannt und das Feld an der alten Insta-Stelle einfach leer gelassen habe.
Nach einem weiteren Tag hat Insta plötzlich angefangen mir Benachrichtigungen zu schicken. „X hat einen Beitrag von Y geliked“. Häh?! Ich hatte schon immer alle Push-Nachrichten ausgeschaltet, außer für DMs. Zuvor hat mir Insta nie solche Meldungen als Pushs gesendet. Hatte die App etwa gemerkt, dass ich mal 24h nicht online war?
Also bin ich direkt in die App-Einstellungen rein und habe versucht, diese Nachrichten auszuschalten. Doch nach wie vor waren alle Nachrichten deaktiviert außer die DMs. „Okay, du willst es so.“ Also Insta-Benachrichtungen über die Einstellungen auf meinem iPhone blockiert. Seitdem ist Ruhe.
Ab jetzt zählte ich meine Woche.
Und ich muss sagen, es hat mir überhaupt nichts gefehlt.
Was jetzt anders ist
Kurz gesagt: ein Gefühl von Freiheit, dass sich schon in den ersten Tagen ohne Insta bemerkbar gemacht hat.
Lang gesagt: Nach einer Woche waren mir die Auswirkungen noch nicht ganz klar. Ich fühlte mich freier, ja. Sowohl in meiner Haut, als auch in dem, was ich tagtäglich tue. Ich hatte niemanden zum Vergleichen und daher habe ich einfach das gemacht, worauf ich wirklich Lust hatte und was ich für richtig empfunden habe.
Als die erste Woche Social Media Detox vorbei war, hatte ich allerdings noch nicht so wirklich das Gefühl, dass ich einen allzu großen Unterschied gemerkt habe. Zwar ging es mir gut, aber so viel anders war es auch wieder nicht. Ich öffnete zum ersten Mal nach einer Woche die App und war gespannt, was ich so verpasst habe. Doch die Antwort war klar und ernüchternd: Absolut gar nix. Keine Nachrichten, keine nennenswerten Dinge passiert.
Also erweiterte ich das Experiment direkt um eine weitere Woche. Und nach dieser um noch eine. Und noch eine. Mittlerweile sind es fast 3 Monate ohne (bzw. nur sporadisch mit) Instagram und komplett ohne TikTok.
Mit jeder weiteren Woche wurden mir die Auswirkungen immer klarer und klarer. Ich fühlte mich gut. War glücklich. Hatte mehr Selbstvertrauen in mich und meine Arbeit. Ich vergleiche mich bei weitem nicht mehr so stark mit anderen und setze meine eigenen Ideen einfach um.
Ich arbeite so lange an meinen Aufgaben und Projekten, bis ich es gut finde – und nicht, bis es ansatzweise so gut ist wie von XY. Alles passiert in meinem Tempo und zu der Zeit, wenn es bei mir reinpasst.
Und das ist rückblickend ein wahnsinnig toller Erfolg für mich und eine Erkenntnis, die mich einerseits überrascht, andererseits aber auch irgendwie logisch hätte sein können 😄
Ich bin sehr froh das Experiment gestartet zu haben. Es hat vieles zum absolut Positiven geändert.
Wie ich Social Media heute nutze
Ich nutze Social Media noch und verteufle es auch nicht – aber mein Umgang damit ist jetzt sehr viel bewusster und reduzierter.
Samstag ist jetzt mein Instagram-Tag. Sofern ich dran denke schaue ich einmal rein, ob ich Nachrichten habe usw. Unter der Woche bleibt die App in der Regel geschlossen. Sie ist auch weiterhin vom Homescreen entfernt. Wenn ich beruflich etwas posten möchte, dann tue ich das einfach – wann ich will und ohne mich nach anderen oder irgendeinem Algorithmus zu richten. Projektanfragen habe ich über Social Media ohnehin nie bekommen. Und es gibt ja auch andere Marketingstrategien, die man nutzen kann. Diese gilt es für mich jetzt herauszufinden und dort meinen eigenen Weg zu finden.
Ich mache jetzt einfach mein Ding.
TikTok habe ich übrigens komplett gelöscht. Wenn ich bewusst Kurzvideos sehen möchte, schaue ich mir ab und zu YouTube Shorts an. Da reichen mir allerdings oft so ca. 5min.
Mein Fazit
Ich glaube schon, dass soziale Medien grundsätzlich ihre Berechtigung haben. Um bspw. mit Freunden in Kontakt zu bleiben und irgendwie an ihrem Leben teilzuhaben, wenn sie ihre Aktivitäten in der Freizeit posten oder über persönliche Meilensteine berichten.
Aber so, wie sie aktuell von vielen Usern genutzt werden, interessiert es mich einfach nicht mehr. Für mich persönlich führt es dazu, dass ich mich ständig vergleiche und einem Ideal hinterherlaufe, das schlicht nicht zu erreichen ist.
Bei anderen Menschen kann das natürlich anders sein. Doch für mich fühlt es sich einfach besser an, wieder in der „realen Welt“ anzukommen und den Blick nicht nur nach außen zu richten, sondern auf mich selbst.
Ich habe wieder eine bessere Grundstimmung, fühle mich insgesamt ausgeglichener und ehrlich gesagt auch einfach glücklich. Und vor allem fühle ich mich wieder mehr wie ich selbst.
Ich kann also nur jeden ermutigen, auch mal so ein Social Media Detox auszuprobieren, dem es genauso geht, wie mir noch vor 3 Monaten. Es kann am Ende einen riesigen Unterschied machen.
#backtoreality #socialmediadetox
Wer Lust hat sich das Video zum Dopamin-Detox anzusehen kann das hier tun.